The Girl Who Wanted It All

Theaterstück
unveröffentlicht

Aufführungsgeschichte:

  • 2025 – OFF Theater (Wien, Flirty Horse)
  • 2025 – Lesung „Literarische Nahversorgung“ in Judenburg
  • 2025 – Lesung bein Festival „Wonder Villa“ in Pörtschach

1993 wurde in der kleinen kroatischen Stadt Karlovac unter Beschuss und Bombenangriffen ein Mädchen namens Danica Brdar geboren. Sie war zwei Jahre alt, als der Kroatienkrieg endete; sie war achtzehn, als sie zum Studium nach Wien zog und schnell ihre Kindheit und Jugend vergaß – jene Jahre, die nur wie ein Schatten an den von Schrapnellen durchlöcherten Wänden der Karlovacer Häuser, an den Zäunen um die Minenfelder, an den müden und verbitterten Gesichtern der Erwachsenen – ihrer Eltern und Lehrer – vorbeigezogen waren. Zehn Jahre lang war sie nicht zu Hause gewesen, und nun beschloss sie, ihren Urlaub in ihrer Heimatstadt zu verbringen… Die Geschichte einer Migrantin, eine Coming-of-Age-Erzählung und ein sentimentales Roadmovie in die Tiefen der Erinnerung

Ausschnitt:

UNSICHTBARE ERZÄHLERIN. Ja, wie ihr vielleicht schon erraten oder zumindest vermutet habt, ist das Mädchen, das alles wollte, Danica Brdar selbst, die junge Danica Brdar, die wilde Blume von Karlovac, die noch nie Wien gesehen hatte und überzeugt war, dass Wunder nur in der Bibel oder in Filmen wie „Pretty Woman“ passieren. Die erwachsene Danica, die österreichische Spionin, die auf eine Mission in eine abgelegene Ecke der Erinnerung geschickt wurde, schwebt am Fenster der Wohnung und betrachtet ihr junges Selbst: lange, rötliche Haare, dramatisch verschmierte Mascara und das kindliche Kinn, das auch das ganze Gesicht kindlich, unschuldig, unbefleckt macht. Danica erinnert sich sehr gut an das Gespräch, das sie mit ihrer Mutter hatte, nachdem ihr Vater die Nase des armen betrunkenen Bojan Kralj zerbrochen hatte, der zufällig ein entfernter Verwandter von Luka war – ein Fakt, der viel später ans Licht kam und eine weitere lustige Geschichte hervorbrachte… Aber Danica will nicht dorthin fliegen. Sie ist neugierig, am Fensterrahmen zu bleiben und die Szene mit ihrer Mutter zu beobachten, sie von der Seite zu sehen, wie auf einem Fernsehbildschirm. Danica hat erwartet, dass es wie eine Seifenoper aussehen wird, aber nein, es ähnelt eher einem David Lynch-Film – die Reaktionen sind übertrieben, die Ausdrücke seltsam und der Dialog – schnell und unlogisch geschnitten. Also sagt die Mutter: Warum hast du deinen Vater angerufen?

SICHTBARE ERZÄHLERIN. Und Danica so: Weil du ihn nie anrufst! Weil er einsam und traurig ist, er ist immer nur bei seinen Kriegskollegen, bei diesen einsamen und traurigen Männern, und er weint die ganze Zeit, weil du ihn verlassen hast!

UNSICHTBARE ERZÄHLERIN. Und die Mutter so: Hat er dir gesagt, dass ich ihn verlassen habe?

SICHTBARE ERZÄHLERIN. Und Danica so: Ach, come on!

UNSICHTBARE ERZÄHLERIN. Und die Mutter so: Wenn du in Schwierigkeiten bist, Danica, musst du mich anrufen!

SICHTBARE ERZÄHLERIN. Und Danica so: Oder was?