Souvenirs

Ein Theaterstück
Im Rahmen des Retzhofer Dramapreises entstanden, für den Retzhofer Dramapreis 2025 nominiert

unveröffentlicht
noch nicht inszeniert

Die Geschichte eines Teenagers, eines jungen Mannes, des Kindes von gestern, des Erwachsenen von morgen. Er lebt in einem totalitären Staat namens Unser Territorium. Dieser Staat ist kolossal groß, aber er wird von einem einzigen Mann, einem Diktator, regiert. Die BürgerInnen Unseres Territoriums leben in ärmlichen Verhältnissen, die Wirtschaft des Landes dient hauptsächlich den endlosen Kriegen, die der Diktator führt, und der Propagandamaschine, die die Menschen davon überzeugen muss, dass diese Kriege eine große sakrale Bedeutung haben und dass Unser Territorium von unfreundlichen, feindlichen Staaten umgeben ist.

Eines Abends geht der Protagonist in seinem Viertel spazieren. In einem der Höfe sieht er ein Mädchen mit einem Hund. Das Mädchen spielt mit dem Hund, indem es ihm einen Ball an einer Schnur zuwirft. Schließlich wirft sie den Ball zu stark, und er bleibt in den Ästen eines Baumes hängen. Der Protagonist klettert auf den Baum, um den Ball zu holen, fällt vom Ast und trifft mit der Schläfe auf einen Metallstift, der aus dem Boden ragt. Der Metallstift dringt tief in seinen Kopf ein, Blut, Schmerz, ein wenig Gehirn tritt aus. Der Protagonist begreift, dass er gestorben ist, dumm, sinnlos und zu früh gestorben. Er schämt sich sehr: Seine Mutter wird sehr wütend auf ihn sein wegen seiner Unachtsamkeit und seines Leichtsinns, und nun ist es unklar, ob er seine Aufnahmeprüfung an der Uni immer noch ablegen darf. Er beschließt, niemandem zu sagen, dass er gestorben ist, und es so lange wie möglich geheim zu halten. Er geht nach Hause und beginnt, sich auf die Prüfung vorzubereiten, aber es fällt ihm schwer, sich zu konzentrieren: Die tödliche Wunde in seiner Schläfe verursacht Kopfschmerzen und Schwindelgefühl, und er kann seine Gedanken nicht zusammenfügen. Er beschließt, den Arzt zu bitten, ihm starke Schmerzmittel zu verschreiben, damit er sich gut auf seine Prüfung vorbereiten kann.

Ausschnitt:

MATTHIAS. <…> Also, worüber beschwerst du dich? Kopfschmerzen?

PETER. Ja, starke Kopfschmerzen.

MATTHIAS. Drückende? Pulsierende? Pochende?

PETER. Oh, wie kann ich es beschreiben… Brennende.

MATTHIAS. Brennende?

PETER. Ja, eher brennende als pochende oder pulsierende.

MATTHIAS. Und nicht drückende?

PETER. Definitiv nicht drückende.

MATTHIAS. Stumpfe Gewalteinwirkung auf den Schädel?

PETER. Bitte?

MATTHIAS. Hast du dir den Kopf gestoßen? Oder hat dich jemand geschlagen?

PETER. Nun…

MATTHIAS. Nun?

PETER. Nun, ja, ein wenig vielleicht….

MATTHIAS. Mütze ab.

PETER. Warum?

MATTHIAS. Sehen wir mal, was es da gibt.

PETER. Oh, das müssen wir nicht. Ich glaube eigentlich, es kommt eher vom zu viel Lernen. Die Aufnahmeprüfungen, wissen Sie, der Stress…

MATTHIAS. Nimm deine Mütze ab, hab‘ ich gesagt.

Peter nimmt seine Mütze ab. An seiner Schläfe befindet sich eine monströse Wunde.

MATTHIAS. Was zum Teufel ist das?

PETER. Wo?

MATTHIAS. Willst du mich verarschen?

PETER. Nein.

MATTHIAS. Ist das vom zu viel Lernen?

PETER. Kann sein…

Matthias gießt erneut Wodka in den Messzylinder, trinkt, nimmt den Hörer ab, wühlt durch Peters Krankenakte.

PETER. Was machen Sie da?

MATTHIAS. Ich muss deine erwachsenen Verwandten benachrichtigen.

PETER. Rufen Sie bitte Mama nicht an! Ich beschwöre Sie, rufen Sie Mama nicht an, bitte!

MATTHIAS. Oh, doch, ich werde sie anrufen.

PETER. Was ist mit dem Eid des Hippokrates? Ärtzliche Schweigepflicht?

MATTHIAS. Das hast du auch gegoogelt?

PETER. Sie haben mich nicht einmal untersucht! Machen Sie ein MRT!

MATTHIAS. Man macht keine MRTs an Leichen.